Und wieder einmal versank die Welt im Feuer, doch nicht in Dunkelheit. Und so wurde er erneut entzündet, der letzte kleine Funken Hoffnung. Und er brennt, heimlich und leise, doch mit Bestand.
Tiger, Tiger, Feuerspracht
in der Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Aug', welch ew'ge Hand
formten Deines Schreckens Brand?
In welch' Himmeln ungeheuer
schmolzen Deiner Augen Feuer?
Auf welch' Flügeln, unbenannt,
flog der, der ergriff den Brand?
Welcher Schulter Können wand
Deines Herzens Sehnenstrang?
Wer, als Herzens Schlag begann,
furchtbar Hand und Fuß ersann?
Welche Kett' und Hammer fand
in welch' Kessel den Verstand?
Welcher Amboß, welche Welt
Deine Todesschrecken hält?
Als der Sterne Speer herab
Tränen unserm Himmel gab:
Hat vollbracht er's und gelacht,
sowohl Lamm wie Dich gemacht?
Tiger, Tiger, Feuerspracht
in den Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Auge, welche Hand
wagten Deines Schreckens Brand?
William Blake - The Tyger
Dr.Lecter - 1. Jan, 03:27
So, jetzt ist es amtlich, ich bin ein Psycho. Nicht das ich das nicht schon seit Jahren wüsste, aber jetzt habe ich einen Schein dafür. Ich finde es übrigens unglaublich wie lange man in diesem Land braucht bis einem geholfen wird. Und wie scheisse kompliziert das wieder alles ist. Ich krieg die Überweisung von meinem Hausarzt in ne Praxis für Nervenheilkunde. Komm da an, so ne nette Tante holt mich am Empfang ab und will wissen was los ist. Ich fang also an das ich alles total beschissen finde, mich morgens zunehmend zwingen muss überhaupt aufzustehen, alle anderen auf möglichst grausame und quälende Art umbringen will weil einfach fast alle scheisse sind und so weiter und so fort. Ich bin also grade so richtig schön am erzählen, unterbricht die mich und meint das wäre ja alles schön und gut aber ich müsste mir dafür jetzt nen Therapeuten suchen. Ich so "Wie jetzt? Ich dachte das sind Sie?", die so "Nein, wir stellen nur die Diagnose, und ich habe genug gehört um eine Verhaltenstherapie zu beantragen und wenn Sie möchten danach noch eine Analyse". Ist es denn die Möglichkeit? Ich kam mir vor wie bei Asterix, so auf die Art Formular A1 an Schalter 3B abgeben und dann ins Gebäude K und so weiter und so fort. Gibt die mir ne Liste und ich soll da anrufen und Termine ausmachen. Und Happy Pills hab ich bekommen, die brauchen aber mindestens 3 Wochen bis sie wirken, auch großes Kino.
Ich also angefangen die Liste runter zu phonen. "Sie erreichen uns immer 5 Minuten vor der vollen Stunde". Bei allen. Problem ist halt nur das ich das auch oft genug einfach vergesse und wenn ich dann zur Uhr schiele ist es leider schon nach der vollen Stunde. Oder wenn ich tatsächlich mal dran denke ist dauernd besetzt und dann sind die scheiss 5 Minuten halt auch schon wieder rum. Und, obacht jetzt, wenn ich tatsächlich mal jemanden dran habe kann ich mir anhören das es die nächsten 3 Monate überhaupt nicht geht und ich solle es doch bitte woanders probieren wenn es akut ist.
WHAT THE FUCK? Natürlich ist es akut ihr Wichser! Ich schlafe fast nicht mehr und wenn dann träume ich die absolut beklopptesten Dinge. Wenn ich wach bin überlege ich mir wie ich meine Chefin am besten umbringen könnte und ob es nicht gleich besser wäre jeden zu töten der sie mal gekannt hat. Alles ist eine Last, ich kriege überhaupt nichts mehr auf die Reihe. Wenn ich in den Supermarkt gehe muss ich mich beherrschen nicht zu schreien weil 5 andere Leute außer mir schon zu viel sind und ich Panik bekomme.
Ich finde es einfach abnormal. Wenn ich mir ein Bein breche muss ich auch nicht 3 Monate warten oder? Was soll die Scheisse eigentlich? Ich habe mich dann gefragt warum die eigentlich alle so überlaufen sind. Und dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Alle sind bekloppt, nur weiß es keiner. Wahrscheinlich kann ich mich beglückwünschen das ich so lange durchgehalten habe, andererseits haben alle anderen jetzt nen Therapeuten abbekommen und ich muss warten, auch scheisse.
Macht Platz Ihr Irren, ich bin auch mal dran.
Dr.Lecter - 15. Dez, 13:18
Zur Zeit liege ich selbst in Scherben. Interessant wenn man feststellen muss das man einen totalen Zusammenbruch hatte und es irgendwie gar nicht richtig gemerkt hat. Mein Opa hatte mal einen Herzinfarkt und hat es auch nicht gemerkt, als der Arzt es ihm gesagt hat hat er sich so aufgeregt das er fast nochmal einen bekommen hat. Auf jeden Fall bin ich irgendwie zerbrochen und bestehe nur noch aus Scherben die sich jetzt neu zusammensetzen. Das hat aber auch Nachteile, ich kann mich nämlich überhaupt nicht mehr einschätzen. Ich bin emotional sehr unausgeglichen und reagiere ganz anders auf bestimmte Reize als früher.
Ich frage mich ob ich verrückt geworden bin über die letzten Jahre. Jetzt nicht in dem Sinne wie man Verrückte über die Medien dargestellt kennt. Nein, ich frage mich ob ich zu lange gewartet habe mir Hilfe zu suchen. Ob ich emotional so angeknackst bin das es nicht mehr zu beheben ist. maggie sagt es wäre wohl genau der richtige Zeitpunkt für all diese Schritte gewesen sonst hätte ich es ja schon früher getan. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Fakt ist ich fühle mich ziemlich verloren.
Es ist komisch, vor 10 Jahren hätte man meinen können mich könnte nichts mehr schocken. Ich trat auf als hätte ich bereits alles gesehen, alles erlebt und wüsste mehr als manch anderer. Ich behaupte auch dass das der Fall war. Mein Problem besteht darin das ich damals nicht gelernt habe mit dieser Desillusionierung umzugehen. Mir ist sehr früh bewusst geworden dass das Leben ein ewiger Kampf ist, frustrierend und voller verletzender Erfahrungen. Aber anstatt mich wirklich damit zu arrangieren habe ich eine Mauer gebaut und je vielfältiger die Erfahrungen wurden desto höher habe ich diese Mauer gebaut. Gepaart mit der Fähigkeit in den meisten Menschen zu lesen wie in einem Buch ist das jahrelang gutgegangen. Mir hätte aber klar sein müssen das es irgendwann nicht mehr gutgeht. Es ärgert mich schon fast mir diese Naivität eingestehen zu müssen, zu glauben es könnte tatsächlich dauerhaft funktionieren.
In einem anderen Blog habe ich etwas gelesen das ich überaus zutreffend finde:
"Wer heult, dem geht’s eigentlich viel zu gut. Wer auf dem untersten Level der Desillusion lebt, der heult nicht mehr. Der hat’s schon hinter sich und erträgt alles."
Wie schön, da ich mich nicht mal mehr erinnern kann wann ich das letzte mal geweint habe liegt wohl wirklich ein gutes Stück Arbeit vor mir.
Dr.Lecter - 28. Nov, 11:38
Zur Zeit ekle ich mich vor mir selbst, ein Zustand den ich als äußerst beunruhigend empfinde. Seit ich aufgehört habe zu rauchen habe ich locker 10 Kilo zugenommen und empfinde mich als unglaublich fett. In meine Klamotten passe ich zwar noch, aber die Hosen sind gefährlich eng. Also so gefährlich eng das ich abends üble Dellen in der Leistengegend habe weil der Hosenbund sowie der Gürtel ein schickes Prägemuster hinterlassen haben.
Ich kann aber auch nicht aufhören zu fressen, total ätzend. Ich habe dauernd Hunger. Und so langsam frage ich mich ob dieser Hunger nicht eigentlich etwas ganz anderem gilt. Ob er sich aber durch die Abwesenheit eben dieses unbekannten Etwas in Ess-Hunger verwandelt. Ich werde darüber mit meiner Therapeutin sprechen müssen. Die wird sich eh freuen wenn ich sie mit Fragen bombardiere.
Und dann schlurfe ich hier durch die Gänge, das fette Monster, total lustlos und abgestumpft. An mir vorbei rauschen die 18-20jährigen mit ihren gestählten Superbodys und ich frage mich ob ich mich nicht besser selbst zur Notschlachtung freigeben soll.
Vielleicht habe ich irgendwann ja wieder Lust geil zu werden. Da ich es schonmal war (behaupte ich...) kann ich es auch wieder werden (hoffe ich...).
Da fällt mir gerade auf das ich diese Aura von Charme und Esprit wohl auch nicht mehr versprühe die ich früher mein Eigen nennen durfte. Natürlich bin ich in Wahrheit gar nicht charmant und voller Esprit sondern einfach nur berechnend, aber das ist ja nie jemandem aufgefallen. Jetzt allerdings scheint sich auch dieser Dunstschleier gelüftet zu haben. Schade eigentlich, das war schon sehr hilfreich. Andererseits gibt es jetzt den ungeschönten Blick auf das was wirklich in mir vorgeht: absolute Lustlosigkeit und totales Deinteresse an allem. Mir ist einfach alles zu viel und ich will überhaupt nichts mehr wissen, von niemandem. Ich kann nichts mehr hören sonst platze ich endgültig.
Und so sitze ich da, apathisch und phlegmatisch, weiß nicht ob ich jemals noch Lust an diesem Leben empfinden werde und blicke in eine absolut ungewisse Zukunft. Und irgendwie ist das ganze so klischeehaft das es mich schon fast wieder anmacht. Aber halt nur fast, den Rest soll mir die Seelenklempnerin erklären, vielleicht krieg ich's ja wieder auf die Reihe.
Dr.Lecter - 23. Nov, 12:08
Eigentlich habe ich mich immer für sehr selbstständig gehalten, in allen Bereichen meines Lebens. Ich habe immer geglaubt das ich alles selbst entscheide, nur für mich. Die letzten Tage ist mir klar geworden dass das überhaupt nicht der Fall gewesen ist, im Gegenteil. Das Schlimme ist das man gar nicht merkt wann einem die Kontrolle entgleitet, geschweige denn ob man sie wirklich jemals gehabt hat. Jedenfalls ist mir klar geworden das ich zum ersten mal für mich selbst entschieden habe, und zwar nur für mich.
All die Jahre vorher habe ich für das Prestige entschieden. Für die Anerkennung. Für die Zuneigung und das Wohlwollen von Leuten die mir eigentlich überhaupt nicht wichtig sind, die diesen Platz in meinem Umfeld aber einfach beansprucht haben. Ich bin dabei das hinter mir zu lassen.
Ich habe beschlossen das mein Kopf zwar weiterarbeiten darf, der Bauch und das Herz aber ab sofort die Richtung weisen werden. Und das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich brauche kein Prestige mehr, ich habe genug von falscher Zuneigung die nur dafür sorgen soll das ich mich mehr und mehr aufgebe. Ich verzichte auf das Wohlwollen von Leuten die mir lachenden Auges dabei zusehen wie ich innerlich verende und die mich wegwerfen wenn ich nicht mehr zu gebrauchen bin um dann einfach den nächsten in die Mühle werfen.
Ich brauche das alles nicht. Ich brauche mich. Ich brauche das Gefühl es gut zu finden ich zu sein.
Alle anderen...FRESST SCHEISSE UND STERBT!
Dr.Lecter - 22. Nov, 11:43
Ich habe meine Weiterbildung geschmissen. 2 Monate vor Ende. Ich könnt schreien, allerdings nicht vor Zorn oder vor Wut sondern vor Glück. Ich hätte es schon vor langer Zeit tun sollen. Das hätte mir neben einer Menge Nerven auch eine Menge Kohle erspart aber was solls. Diese Scheisse hat mich noch nie interessiert, ich weiß gar nicht warum ich mir das aufgezwungen habe. Ich meine BWL, kommt schon. Dieses Kapitel ist beendet, kein BWL für mich.
Ich werde mich in Therapie begeben. Mein erster Termin steht, am 05. Dezember werde ich den langen und steinigen Weg antreten der es mir ermöglichen soll mit mir und der Welt einen Friedensvertrag zu schließen.
Und ich werde meinen Job schmeißen sobald sich etwas anderes gefunden hat. Ich habe keinerlei Ambitionen mehr. Karriere bedeutet mir nichts mehr, ich möchte nicht in der totalen Entmenschlichung enden die ich hier jeden Tag vorgelebt bekomme.
Ich werde mich wandeln, so wie ich es will. So wie mein Gefühl es mir sagt. Viel zu lange habe ich nicht auf die innere Stimme gehört und fast schon höre ich sie nicht mehr. Das soll sich ändern. Ich funktioniere nicht mehr. Endlich.
Dr.Lecter - 8. Nov, 15:25
Dr.Lecter - 11. Sep, 22:33
Jetzt haben sie die Frau Herman also rausgeschmissen. Weil sie gesagt hat die Familienpolitik im dritten Reich war nicht verkehrt.
Ist das ein Grund zum Rausschmiss? Wohl kaum, im Gegenteil. Aber da kommt ja wieder die scheiss Doppelmoral unserer Arschgeigengesellschaft voll zum tragen. Und nein, ich bin nicht rechtsradikal und ich sympathisiere auch nicht damit.
Aber mal abgesehen von der kranken Ideologie und den Massenmorden die hinter dem System stand, war denn wirklich alles schlecht? Anstatt sich drüber Gedanken zu machen ob man sich vielleicht doch was abschauen und weiterentwickeln könnte wird gleich wieder das Maul aufgerissen und eine auf den Scheiterhaufen gestellt die sich traut auch mal was Unbequemes zu sagen. Gut, zum Thema Frauen an den Herd bin ich auch anderer Meinung als Evchen, aber das bedeutet ja nicht gleich das ich alles scheisse finden muss was die Frau sagt.
Wenn der Herr Bush zu Besuch kommt oder Heiligendamm ansteht wird das Grundgesetz ja auch mit Füßen getreten. Und wenn die Leute dagegen protestieren werden sie noch in den Bau gesteckt. Schöne neue Welt ey, ich scheiss drauf.
Dr.Lecter - 10. Sep, 12:36
Seit ich vor 4 Wochen aus meinem Urlaub zurück bin versinke ich in Arbeit und stehe unter Dauerstress. Es ist soviel los und ich könnte mich den ganzen Tag so aufregen das ich momentan meist vor 12 Uhr nachts ins Bett gehe und sogar sofort einschlafen kann.
Sprich, der Stress ist echt so heavy das ich jahrelang antrainierte Verhaltensweisen wie "mindestens bis 1 Uhr wach bleiben" und "mindestens eine Stunde zum einschlafen brauchen" einfach über Bord werfe. Die Stimmen in meinem Kopf sind nur noch ein dezentes Hintergrundrauschen und mein Schlaf ist so erholsam wie seit Jahren nicht.
Und ich habe keine einzige Zigarette mehr angefasst. Seit nunmehr über 5 Wochen. Ich bin begeistert. Gut, ich esse verhältnismäßig viel, versuche aber auch jeden Abend eine Stunde zu radeln um nicht auseinander zu gehen wie ein Hefeteig.
Ist das also der Schlüssel? Soviel Stress zu haben das er alles andere einfach übertüncht? Das kann auf Dauer aber auch keine Lösung sein...oder? Sollte es tatsächlich so sein wäre das ziemlich unbefriedigend.
Dr.Lecter - 6. Sep, 13:34
Ich finde myspace furchtbar, ätzend und langweilig. Meiner Meinung nach ist das ein virtuelles Krebsgeschwür das leider schon schwer in Form von unzähligen Ablegern gestreut hat. Wozu soll das eigentlich gut sein? Initialerlebnis war folgendes. Ich sammle Citycards. Das sind diese Postkarten mit meist geilen Sprüchen und Motiven drauf die man in Kneipen und Cafes abgreifen kann. Und vor einiger Zeit lagen dann plötzlich Karten aus auf denen stand "Madonna wird überwertet...sagt Lily Allen" oder "Ich signiere alles außer Penisse...sagt Lily Allen".
"Who the fuck is Lily Allen?" ging mir natürlich als erstes durch den Kopf. Ich also gegoogelt und nach 10 Sekunden auf der unsäglich bunten und total überfrachteten myspace-Seite von Lily Allen angekommen. Aha, irgend so eine Provinz-Pop-Prinzessin die sich mal eben schnell zur Stil- und Trendikone ausgerufen hat. Gääääähn, als ob wir von der Sorte nicht schon 20 andere am Start hätten. Nur wie geht das eigentlich? Und da habe ich mich zum ersten mal mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.
Das ganze ist ja unglaublich verlogen. Da mach ich mir ein Profil, schreib rein wozu ich grad lustig bin, was ich gern für Musik höre, wen ich toll finde, wie groß ich bin, wie alt und überhaupt alles was keiner wissen will. Und dann kommen wir erst zum Kern des Pudels. Es geht darum sich soviele "Freunde" wie möglich zu suchen. Freunde sammle ich natürlich nur wenn ich besonders toll bin, meine Seite voller Bling Bling und Scheiss ist und ich was zu sagen habe was offensichtlich jeden interessieren muss denn ich bin ja wichtig. Sowas wie Lily Allen halt, die sagt nämlich auch "Ich habe Orlando Bloom geknutscht". Spitze Lily, will halt nur keiner wissen. Ganz geschickt sind natürlich die Stars und Sternchen die sich von findigen Werbeagenturen dort Seiten einrichten lassen und jeden in die Freundesliste hauen der gern reinmöchte. Und da unsere heranwachsende Jugend noch persönlichkeitsgestörter als der Durchschnittsblogger ist können wir uns ausrechnen was da grade passiert. Die 13jährige Lara-Chantall aus Bielefeld erzählt dem Marcel-Kaspar nämlich dann das der Matt Damon jetzt ihr bester Freund ist und der Marcel-Kaspar kontert dann cool das er schon seit 3 Monaten eine Affäre mit Angelina Jolie hat. Schöne neue Welt ist das.
"Ich find das scheisse...sagt Dr. Lecter".
Dr.Lecter - 24. Aug, 12:32